Papierlos

Papierlos glücklich

Alleine in Deutschland gehen jährlich knapp 1,3 Milliarden Bäume für unseren Papierkonsum drauf. Dass ein papierloses Leben nicht nur der Umwelt zu Gute kommt und wie es uns mehr Lebensqualität schenken kann, möchte ich in diesem Artikel beleuchten.

„Jeder Deutsche verbraucht durchschnittlich 250kg Papier im Jahr.“ weiß Mark Kreuzer vom Papierlos Experiment bzw. der Papierlos Bewegung. Bei 81 Millionen Einwohner würde es alleine für Deutschland knapp 40,5 Millionen Bäume bedeuten, würde man nicht die glücklicherweise hohe Recyclingrate berücksichtigen. In der Tat gehen für Deutschland jährlich etwa 10 Millionen Bäume durch den Schrederer (für mehr Hintergrund siehe Kommentar von Gero unten). Jedes Jahr. Für Papier. Lass es Dir mal auf der Zunge zergehen. Doch das sei nur am Rande erwähnt, denn auf Today is a good day geht es ja nicht um die Umwelt, sondern darum, wie wir unser Leben bei wachsender Digitalisierung schöner, einfacher und zufriedener gestalten können. Meiner Meinung nach können und sollten wir die Digitalisierung nämlich genau hierzu nutzen.

 

Weniger Papier, mehr Lebensqualität

Ich habe bereits darüber geschrieben, wie weniger „Stuff“ mehr Lebensqualität bringt. Doch was bewirkt weniger Papier? Es macht unser Leben ungemein viel einfacher. Stell Dir vor, wie viel weniger Zeugs in Deiner Wohnung bzw. in Deinem Büro rumstehen würde, wenn alles, was aus Papier ist, plötzlich weg wäre! Wie viel weniger Müll Du runtertragen müsstest! Und um wie viele Kilos leichter Deine Umzugskisten wären! Keine Bücher, die ständig entstaubt werden müssen. Keine Dokumente, die in dicken Ordnern den Platz auf den Regalen wegnehmen. Und damit mehr Platz für das, was wirklich wichtig ist: für Dich! Keine Kassenzettel, die in Deinem Portemonnaie ein Eigenleben führen! Was ich sagen will ist folgendes: Ein papierloser Lifestyle bewirkt, dass wir weniger Zeug haben, um das wir uns kümmern müssen. Aber dieses Zeug ist ja nicht einfach weg, sondern es wird wenn nötig digitalisiert. Du würdest schon noch Bücher lesen, nur eben digital. Du würdest schon noch wichtige Briefe aufbewahren, aber eben digital. Das birgt die Chance, diese Dokumente besser zu organisieren und vor allem besser durchsuchen zu können. Digitale Dokumente lassen sich zudem weit vielfältiger verarbeiten als analoge.

Du verbringst weniger Zeit beim suchen, Du sparst Platz und Du tust nebenbei auch noch was Gutes für die Umwelt.

Ich merke es immer wieder, wenn ich die Wohnung ausgemistet habe: ich fühle mich freier, ich verbringe weniger Zeit mit suchen, weil alles einen Platz hat und vor allem bietet die Wohnung wieder etwas mehr Lebensraum. Was ich an dieser Bewegung ausserdem noch spannend finde ist die Tatsache, dass man noch ein Stückchen weiter geht. Es geht darum zu ermitteln, wie wichtig oder eben unwichtig Papier ist. Es geht darum, Wege ohne Papier zu finden und seine gesamte Lebensorganisation zu hinterfragen. Aus diesen Gründen finde ich die Papierlos Bewegung so hoch spannend!

Doch auch wenn die Papierlosigkeit „natürliche“ Grenzen aufweist (manches aus Papier ist nach wie vor unverzichtbar, wie zum Beispiel Klopapier), geht es ja nicht darum, Papier auf Teufel komm raus zu verbannen. Man profitiert schon ungemein davon, seinen Papierkonsum zu erforschen, zu hinterfragen und in welchem Anteil auch immer zu reduzieren.

 

Keine Ausreden!

Das Thema Klopapier hatten wir schon. Vielleicht mag der eine oder andere noch ergänzernderweise einwenden, dass Papier auch in anderen Lebenslagen absolut notwendig sei.

Ich hab oft erlebt, dass die Verbindung von Menschen und Papier eine sehr innige und tiefe ist. Oft kommen dann Begriffe wie Haptik und Geruch. Meiner Meinung nach ist der Grund dafür, dass wir alle mit Papier groß geworden sind, das erste Malbuch, der erste Block in der Schule und so weiter.

meint Mark Kreuzer dazu. Nur weil wir es gewohnt sind, heißt nicht, dass es unverzichtbar oder gar „das einzig Wahre“ sei. Man muss sich eben einlassen. Und wer das tut, so Mark, den erwartet neben einer besseren Selbstorganisation auch noch jede Menge Spass.

 

Papierlos – Ideen für jedermanns Alltag

Für alle, die jetzt gerne loslegen wollen, habe ich 3 einfache Schritte  identifiziert, mit denen sich recht einfach starten lässt.

  1. Bücherregal ausmisten und zukünftige Bücher digital kaufen
  2. Wichtige Dokumente einscannen und speichern
  3. Bahn- und Zugtickets digital kaufen
  4. Kassenzettel ablehnen
  5. Notizen elektronisch schreiben (z.B. mit Evernote oder OneNote)
  6. Digital brainstormen und Inhalte visualisieren (z.B. mit Popplet)
  7. Kalender digitalisieren (z.B. mit iCal oder dem Google Kalender)
  8. Coffee-to-go in einen wiederverwendbaren Thermobecher einschenken lassen (es gibt sogar faltbare, wie zum Beispiel das Smash Cup)
  9. Einkaufszettel im Handy notieren (ich verwende die Basis-Version von Grocery List. In der Premiumversion kann man Listen sogar mit anderen Nutzern teilen und so kann jeder auf dem Heimweg Fehlendes besorgen)

Fällt Euch noch was ein? Wo könnte man noch auf einfache Weise Papier sparen, Platz sparen und sich besser organisieren?

Comments
6 Responses to “Papierlos glücklich”
  1. Daniel sagt:

    Ein super Artikel, nur als kleiner Tipp: Mit OneNote kann man auch sehr gut brainstormen und alles festhalten und einen Einkaufszettel am PC erstellen und ihn mit dem Handy synchronisieren und mit anderen Nutzern teilen 😉

    • Jessica Peterka-Bonetta sagt:

      Hallo Daniel,

      Danke Dir für den goldwerten Hinweis!

      LG
      Jessica

      • Daniel sagt:

        Kein Problem. Wenn du auch Outlook benutzen würdest, dann kannst du auch Emails und deinen Kalender in OneNote einfügen und du bekommst auch jedes Dokument und Foto zu OneNote, wenn du es Druckst und als Drucker „an OneNote senden“ auswählt. Es ist einfach der Allrounder für Leute, die ohne Papier leben wollen. Zu diesem Thema hat Mark auch schon ein Video gemacht: http://youtu.be/ChLnK6GFe7w

  2. Gero M. sagt:

    Platz sparen durch Vermeidung von Papierstapeln und Aktenordnern ist sicherlich ein Argument und der jederzeit und überall mögliche Zugriff auf Daten, Dokumente und Notizen ein weiteres. Auch ich habe mich dem papierlosen Büro verschrieben, was in meiner Branche (Hausverwaltung) nicht immer ganz einfach ist. Das Umweltproblem sehe ich allerdings mit etwas anderen Augen.

    So weiß ich zum Beispiel nicht, woher der liebe Herr Kreutzer seine Berechnungen nimmt, aber dass in Deutschland pro Jahr 1,3 Milliarden Bäume für unseren Papierkonsum herhalten müssen, halte ich für maßlos überzogen.

    Ein durchschnittlicher Nadelbaum, aus dem zum größten Teil Papier gemacht wird, wiegt zwischen 1000 und 2000 kg, was für die Holzverwertung eher an der unteren Grenze liegt, denn erstens fällt man keine kleinen Bäume und zweitens dürften Buchen und tropische Bäume, die ebenfalls zu einem Teil für die Papierherstellung genutzt werden, noch ein Vielfaches mehr wiegen. Das Verhältnis Holz zur Papiergewinnung liegt bei 1:3, aus einem Baum bekommt man also ca. 500-600 kg Papier (Quelle: http://bit.ly/1s4S0i2). In Deutschland verbraucht man zurzeit etwa 20 Millionen Tonnen Papier pro Jahr, wovon aufgrund der auf 71% angewachsenen Altpapiernutzung nur etwa 5,6 Millionen Tonnen Frischfaser-basiert sind (Quelle: http://bit.ly/1o03Pz4). Umgerechnet bedeutet das einen jährlichen Bedarf an Frischholz von etwa 10 Millionen Bäumen, also weniger wie 1% von der eingangs erwähnten Fantasiesumme.

    Immer noch eine Menge, zugegeben, aber eben nicht mehr ganz so erschreckend.

    Was der ganzen Sache aber gegenüber steht, ist ebenfalls nicht ohne. Um beispielsweise den Traum vom papierlosen Büro zu verwirklichen, braucht es Alternativen, sprich digitale Lösungen, die da wären: PC, Laptop, Tablet, Smartphone, Scanner usw. Und das am besten immer in der neuesten Version, denn spätestens nach 1-2 Jahren sind iPhone & Co unmodern geworden und haben als Statussymbol ausgedient.

    Denkt denn dabei auch jemand an die enormen Ressourcen die dafür geopfert werden? Bäume wachsen nach, auch wenn´s nicht in dem erforderlichen Tempo geschieht, aber was ist mit den Ölreserven die für Plastikerzeugnisse gebraucht werden, oder den verheerenden Umweltschäden durch den Abbau von Edelmetallen und seltenen Erden? Sind die etwa harmloser oder nicht erwähnenswert? (Interessante Artikel dazu: http://on.china.cn/1wnHEYM + http://bit.ly/1sgnax0)

    Ich glaube das Problem alleine ist nicht dadurch zu beseitigen, in dem wir den Papierverbrauch verteufeln, uns aber über die Alternativen keine Gedanken machen. Wer vom papierlosen Büro schwärmt, weil er sich das Waldsterben nicht mehr mit ansehen möchte, auf der anderen Seite aber immer die neuesten Errungenschaften zur digitalen Aufbereitung seiner Aktenberge anschafft, ist in meinen Augen ein Heuchler.

    Recyceln ist ein guter Anfang. Sowohl beim Papier, als auch bei den Bauteilen von digitalen Endgeräten. 71% Altpapiernutzung sind ein erfreulicher Schritt in die richtige Richtung, wenn´s mit dem Recyceln von Platinen, Festplatten, Alu-Gehäusen und Plastikteilen genauso klappt, besteht vielleicht noch Hoffnung.

    • Jessica Peterka-Bonetta sagt:

      Hallo Gero,

      das ist bei weitem das längste Kommentar, das bisher hier eingegangen ist! Vielen lieben Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, um Deinen Standpunkt, Deine Anregungen und Dein Wissen mit uns zu teilen. Wie versprochen kommt hier auch meine ebenfalls ausführliche Antwort darauf 🙂

      Zu allererst muss ich Herrn Kreuzer in Schutz nehmen, denn die genannten Zahlen stammen nicht von ihm! Diese habe ich hochgerechnet und wie Du zurecht anmerkst, habe ich mich offensichtlich vertan. Ich habe glatt eine Null bei der KG-Anzahl an Papier vergessen, die man aus einem Baum bekommt. Vielen Dank für den Hinweis, korrigiere ich gleich. Die Recyclingrate werde ich ebenfalls gleich noch mit angeben.
      Auch Dein Hinweis auf Rohstoffe, die zur Handyproduktion und co. notwendig sind, ist absolut Goldwert. Doch an einer Stelle denke ich hakt die Argumentation: Ich persönlich hatte schon ein Smartphone, einen PC und einen Scanner bevor ich mich bemüht habe, möglichst papierlos zu leben und arbeiten. Wenn ich also das nutze, was sowieso da ist und ich für meine Arbeit brauche, dann kann ich es auch gleich nutzen, um ein Statement für die Umwelt zu machen. Ich hoffe allerdings genauso wie Du, dass es irgendwie in Richtung Recycling von alten Elektrogeräten bald voran geht, denn am besten für die Umwelt ist natürlich, wenn an allen Fronten, wo Schaden entsteht, gekämpft wird.

      Als ich anfing, mich mit dem Thema papierlos zu beschäftigen, habe ich gemerkt, dass es verschiedene Perspektiven zur Betrachtung gibt. Es gibt die Umweltperspektive. Es gibt die produktionssteigernde Perspektive. Und beide sind manchmal nicht in Einklang zu bringen. Wenn ich mich zum Beispiel eines Belegs entledige, weil ich es nicht horten will, dann steigere ich meine persönliche Produktivität, aber der Schaden an der Umwelt ist dennoch angerichtet. Ob Projekt papierlos erfolgreich ist, hängt also auch davon ab, was man höher priorisiert. Da es in diesem Blog um persönliche Entwicklung geht, habe ich versucht, diese Perspektive herauszuarbeiten.

      Liebe Grüße
      Jessica

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